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HEFT 3/2013
 
 

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Themenschwerpunkt
Trauma und Sprache (Hrsg. Luise Reddemann)

„Eines aber weiß ich, wer unfähig ist, sich selbst sein Leben zu erzählen, ist tot.“
Abstract
Hannes Fricke

Mehrsprachigkeit, Trauma und Resilienz
Abstract
Brigitta Busch und Luise Reddemann

Dolmetschereinsatz in der Psychotherapie: Erfahrungsbericht aus der Praxis
Abstract
Eva van Keuk und Cinur Ghaderi

Trauma und Sprache in Kärnten/Koroška
Abstract
Daniel Wutti

Wiederholungszwang als gleichzeitige Thematisierung und Verdrängung von psychischen Traumen
Abstract
Josef Berghold

Rilkes Duineser Elegien als Traumaverarbeitung
Abstract
Luise Reddemann

Der kleine Hans, der arme Hans
Über die Unberührtheit in der psychoanalytischen Tradition – eine Leseerfahrung
Abstract
Rudolf Gaßenhuber

Stellungnahme von Franz Ruppert zur ZPPM 1/2013.
Schwerpunktthema: „Aufstellung bei Trauma oder Trauma bei Aufstellung?“




 

Hannes Fricke

„Eines aber weiß ich, wer unfähig ist, sich selbst sein Leben zu erzählen, ist tot.“
Ordnung, Sinnstiftung und Eigendynamik von Lebensgeschichten
(Gert Ledig, Binjamin Wilkomirski, Senati G. Mehari)

Hannes Fricke

Zusammenfassung
Lebensgeschichten sind lebensnotwendig: Im Erzählen unserer eigenen Lebensgeschichte ordnen wir unser Leben. Doch stehen Lebensgeschichten unter einem Druck von Innen: Sie müssen eine bestimmte Form haben und entwickeln leicht Eigendynamik, werden zu einer eigenen, narrativen Wahrheit. Und auch von Außen wird Druck auf Lebensgeschichten ausgeübt: Nicht zu jeder Zeit darf alles erzählt werden. An drei Beispielen (Erinnerungen an Bombardierungen im II. Weltkrieg, Erinnerungen an eine Shoah- bzw. Heimkind-Existenz und an Kindersoldaten-Erfahrungen) wird diese Eigendynamik im Spannungsfeld von Wahrheit, Für-Wahr-Halten und Glauben beleuchtet: Eine Lebensgeschichte ist zwar für jeden lebensnotwendig, doch eine Versteifung auf den einen, wahren Sinn der eigenen Lebensgeschichte kann schaden.

Schlüsselwörter
Lebensgeschichte; narrative Wahrheit; Theory of Mind; kriterienbezogene Aussagenanalyse; Shoa; II. Weltkrieg; Kindersoldaten

„One thing I know for sure, that he, who is not able to tell his life to himself, is dead“.
Order, making-sense and momentum of life stories (Gert Ledig, Binjamin Wilkomirski, Senati G. Mehari)

Summary
Life stories are essential. When we tell our life story we arrange our life. A certain pressure is put on life-stories from within: They must have a certain form, they catch up momentum easily, they become a narrative truth. And there is pressure from the outside, too: It is not possible to tell everything at any time. Three examples show this momentum of life-stories in the conflict between truth, considering-to-be-true and believing (remembering the bombings in World War II, remembering a shoa- respectively a home-child-youth and child soldiers). Although a life story is indispensable for life, for everyone, a stiff concentration on the one and only true life-story might be harmful.

Keywords
life story; narrative truth; Theory of Mind; „kriterienbezogene Aussagenanalyse”; Shoa; Second World War; child soliders




Brigitta Busch und Luise Reddemann

Mehrsprachigkeit, Trauma und Resilienz
Brigitta Busch und Luise Reddemann

Zusammenfassung
Die Autorinnen gehen davon aus, dass MigrantInnen über eine Vielfalt sprachlicher und kommunikativer Ressourcen verfügen, auf die sie kontext- und situationsadäquat zurückgreifen können, wenn sie ihre mehrsprachiges Repertoire bewusst nutzen. Aus der Perspektive des erlebenden und sprechenden Subjektes wird es möglich, jene leiblich-emotionalen Dimensionen, aber auch jene Sprachideologien und Diskurse über Sprache in den Blick zu nehmen, die entscheidenden Einfluss darauf ausüben, welche Sprachen oder Sprechweisen in bestimmten Situationen als (re)traumatisierende Erfahrungen wirksam werden oder als Resilienzfaktoren zur Verfügung stehen.

Schlüsselwörter
Trauma; Resilienz; Mehrsprachigkeit

Multilingualism, Trauma and Resilience

Summary
The authors state that migrants dispose of a variety of linguistic and communicative resources, on which they can build according to specific contexts and situations, thus making use of their multilingual repertoire. Taking the perspective of the speaking subject it is possible to focus on the corporal-emotional dimension of language experience as well as on language ideologies and discourses about language which have an impact on whether languages or modes of speaking are related to (re)traumatizing experiences or can be mobilized as a factor of resilience.

Keywords
trauma; resilience; multilingualism




Eva van Keuk und Cinur Ghaderi

Dolmetschereinsatz in der Psychotherapie: Erfahrungsbericht aus der Praxis
Eva van Keuk und Cinur Ghaderi

Zusammenfassung
In unserer globalisierten Einwanderungsgesellschaft sehen sich PsychotherapeutInnen in ihrer Arbeit immer häufiger sprachlicher und kultureller Diversität gegenübergestellt. Dabei stellen Sprachbarrieren – außerhalb der für MigrantInnen und Flüchtlinge spezialisierten Zentren – oftmals ein großes Hindernis bei der Aufnahme einer ambulanten Psychotherapie dar. Insbesondere strukturelle Zugangsbarrieren (großer Organisationsaufwand, unklare Vergütung) müssen überwunden werden, bevor eine psychotherapeutische Behandlung mit Dolmetschereinsatz möglich wird. Aktuelle Forschung zeigt, dass sich bei dem Einsatz einer Dolmetscherin keine Unterschiede in der Effektivität im Gegensatz zu einem klassischen Setting zeigen. Dies wird durch die Erfahrungen im PSZ Düsseldorf bestätigt, solange bestimmte Voraussetzungen eingehalten werden. Im vorliegenden Artikel wird ein Leitfaden zum professionellen Einsatz von DolmetscherInnen vorgestellt und durch Praxisbeispiele aus der Arbeit des Psychosozialen Zentrums für Flüchtlinge Düsseldorf veranschaulicht.

Schlüsselwörter
Diversität; Psychotherapie; DolmetscherInnen; Sprache; Trauma

Working with Interpreter in the Field of Psychotherapy: Reporting from Professional Practical Experience

Summary

The present article discusses the handling with verbal diversities in psychotherapeutic work in an increasing manifold society. Outside of the specific centers language barriers are often the reason for refusal of an ambulant psychotherapy. Particularly structural barriers like complex organization and unclear compensation have to be overcome. Current research shows that there are no differences in effectiveness between a setting which includes an interpreter and a classic setting. The work at PSZ Düsseldorf confirmed these results- as long as some requirements are accepted. They are presented in a guide which is used in the PSZ and can be found in this article. The importance of the setting including an interpreter is emphasized.

Keywords
Diversity; Psychotherapy; interpreter; language; trauma




Daniel Wutti

Trauma und Sprache in Kärnten/Koroška
Daniel Wutti

Zusammenfassung
Der vorliegende Text befasst sich unter besonderer Berücksichtigung sprachlicher Faktoren mit der Transposition von Traumata über drei Generationen von Kärntner SlowenInnen. Während der theoretische Teil einen Einblick in die Erforschung psychischer Folgen der Shoah und schließlich die wichtigsten Mechanismen der transgenerationalen Übertragung von Traumata aus psychoanalytischer Sicht vorstellt, beinhaltet der empirische Teil Resultate einer Studie: mithilfe des „problemzentrierten Interview“ (Witzel) wurden drei Generationen dreier Familien von Kärntner SlowenInnen auf mögliche Traumatradierung hin befragt. Das umfangreiche Datenmaterial wurde mithilfe der „strukturierenden qualitativen Inhaltsanalyse“ (Mayring) kategorisiert und mit Ansätzen des „szenischen Verstehens“ (Lorenzer) analysiert. Während die transgenerationalen Bänder zwischen der ersten und zweiten Generation außerordentlich stark sind, sucht die dritte Generation – die heutige Jugend – neue Wege, um mit der „Last der Vergangenheit“ umzugehen.

Schlüsselwörter
transgenerational; Trauma; Kärnten/Koroška; SlowenInnen; Nationalsozialismus; Familie; Sprache

Trauma and Language in Carinthia

Summary
The following article views the transmission of traumata over three generations of Carinthian Slovenes – with a focus on language factors. The theoretical part gives an overview on the historical developments in research on the victims of the Shoah and presents the most important mechanisms of transgenerational trauma transmissions from a psychoanalytic point of view. The empirical part of the article includes a specific study: Three generations of three families of Carinthian Slovenes were interviewed using the „problem focussed method“ (Witzel), then categorised according to the „structured qualitative content analysis“ (Mayring) and interpreted with approaches of „scenic understanding“ (Lorenzer). The generational bond between the first and the second generation of Carinthian Slovenes is surpassingly strong. The third generation seeks for new solutions on how to deal with such „historical burden".

Keywords
transgenerational; trauma; carinthian Slovenes; Carinthia; national socialism; generations; family; language




Josef Berghold

Wiederholungszwang als gleichzeitige Thematisierung und Verdrängung von psychischen Traumen
Josef Berghold

Zusammenfassung
Sigmund Freuds Überlegungen zum Wiederholungszwang (als Folge von Traumen) liefern wertvolle Anhaltspunkte für ein tieferes Verständnis der höchst widersprüchlichen Haltungen unserer Gesellschaft zu Gewalt – bei denen voyeuristische Faszination mit moralischer Ächtung, pauschale Klagen über „Gewalt im Allgemeinen“ mit massiver Abwehr gegen die Einfühlung in ihre Opfer oft knapp nebeneinander zum Tragen kommen und sehr doppelbödige Kompromisse eingehen. Unter diesen Anhaltspunkten scheint eine „zwickmühlenartige“ Verstrickung zwischen spontanen Selbstheilungstendenzen (durch Wiederinszenierung) und deren gleichzeitiger angstgetriebener Vereitelung eine besonders lohnenswerte Perspektive zu eröffnen, um Licht in die rätselhaften Abgründe menschlicher Grausamkeit zu werfen.

Schlüsselwörter
Wiederholungszwang; Gewaltfaszination; Moralmaßstäbe; Einfühlungsabwehr; Todestrieb-Hypothese

Repetition Compulsion as a Drive that Simultaneously Addresses and Represses Psychological Trauma

Summary
Sigmund Freud’s reflections on repetition compulsion (as a consequence of trauma) are valuable indicators. They help us grasp our society’s extremely contradictory attitudes towards violence: for instance, voyeuristic fascination and moral ostracism, or sweeping complaints about „violence in general” and massive defenses against empathizing with the victims of this very violence, often emerge side by side and accomodate one another in highly contorted ways. Among these indicators, then, we find a „catch-22” kind of entanglement between spontaneous self-healing tendencies (via restaging) and their simultaneous anxiety-driven thwarting. This sheds some relevant light on the perplexing abyss of human cruelty.


Keywords
repetition compulsion; allure of violence; moral standards; defense against empathy; death-instinct hypothesis




Luise Reddemann

Rilkes Duineser Elegien als Traumaverarbeitung
Luise Reddemann

Zusammenfassung
Rilkes Texte, vor allem seine Duineser Elegien, können als Werke gelesen werden, in denen schwer Sagbares und beinahe Unsagbares dennoch ausgedrückt und gleichzeitig verborgen wird. Die Duineser Elegien werden hier auch unter dem Aspekt der Selbsttherapie, der Selbstbefreiung und der Resilienz gelesen, sowie als Texte, die angesichts der Erkenntnisse über Vernachlässigung, Gewalt und sexualisierte Gewalt in der Kindheit von großer Bedeutung sind.

Schlüsselwörter
Rilke; Trauma; Traumaverarbeitung; Resilienz

Rilke’s Duino Elegies (Duineser Elegien) as Hidden Traumaprocessing and Healing Process

Summary
The „Duineser Elegien“ one of the most important works of the German poet Rainer Maria Rilke can be read as a hidden trauma story. These elegies are read here as self therapy, self liberation and expression of resilience. And at the other side as works which are of great importance in the face of childhood neglect, abuse and sexual abuse. They are telling us about these experiences in a way that is disclosed and closed and have to be discoded.

Keywords
Rilke; trauma; traumaprocessing; resilience




Rudolf Gaßenhuber

Der kleine Hans, der arme Hans
Über die Unberührtheit in der psychoanalytischen Tradition – eine Leseerfahrung
Rudolf Gaßenhuber

Zusammenfassung
„Der kleine Hans“ gilt als Musterbeispiel einer erfolgreichen Analyse in der psychoanalytischen Tradition. Ich gehe in engagierter, teilnehmender Haltung, nah am Text und nah an den wörtlichen Äußerungen des Kindes der Frage nach, wie war das Alltagsleben für dieses Kind, wie ging es ihm wirklich – abgesehen von psychoana-lytischen Deutungen. Sichtbar wird eine beängstigende Umgebung, in der das Kind massiven Drohungen ausgesetzt ist. Dieser ersten Kinderpsychoanalyse durch Sigmund Freud und den Vater des Kindes gelingt ein Begreifen dieser Situation nicht. Die sich einstellenden Besserungen sind wohl als sekundärer Therapiegewinn zu betrachten. Ich gehe weiter der Frage nach, wie kann es bei diesen beiden Pionieren und teilweise in der psychoanalytische Tradition bis heute zu dieser Realitätsabwendung kommen. Was bewirkt diese Haltung und welchen Gewinn bringt sie dem Analytiker?

Schlüsselwörter
Psychonalayse; Kritik; Trauma; Situation; Empathie

Little Hans, Poor Hans. About insensitivity in psychoanalytic tradition – a reader's experience

Summary

Little Hans is considered as an exemplary case for a successful analysis in psychoanalytic tradition. In a sympathetic, committed way, close to the text and the literal statements the child made, I am exploring the question of the boy’s everyday life, how he really felt regardless of any psychoanalytic interpretation. To my mind the child is exposed to a frightening environment including massive threats. Sigmund Freud’s first psychoanalysis of a child along with the one accomplished by the boy’s father fail to achieve an understanding of the situation. The subsequent ameliorations probably have to be seen as a secondary gain from therapy. Further I am following the question how this shifting away from reality was possible for these two pioneers and even partly for the psychoanalytic tradition until today. What are the effects of this theory-loaded attitude and the benefits for the analyst?

Keywords
psychoanalysis; critique; trauma; situation; empathy