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HEFT 1/2008
 
 

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Themenschwerpunkt:
Abwehrmechanismen gegen die Kenntnisnahme psychischer Traumatisierung

Kurt Mosetter und Reiner Mosetter
Abstract
Traumatische Belastungen: Der Körper als Bühne und szenische Macht

Rosmarie Barwinski
Abstract
Stufen der Abwehr im Integrationsprozess traumatischer Erfahrungen

Léon Wurmser
Abstract
Trauma und die Absolutheit des Gewissens

Christiane Eichenberg und Sandra Ebert
Abstract
Die Darstellung von Opfern und Tätern von Gewaltverbrechen in öffentlichen Medien

Senta Möller und Heinrich Deserno
Abstract
Beschneidung als Geschlechtertrauma Menschenrechtliche und psychoanalytische Aspekte der Genital-Beschneidung von Frauen

Walter Renner, Maria Lind und Klaus Ottomeyer
Abstract
Psychodramatische Gruppentherapie bei traumatisierten Migrantinnen – neue Ergebnisse einer Evaluationsstudie

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Kurt Mosetter und Reiner Mosetter

Traumatische Belastungen: Der Körper als Bühne und szenische Macht
Kurt Mosetter und Reiner Mosetter

Zusammenfassung
Psychotraumatische Symptombilder sind nahezu in jedem Einzelfall sehr vielfältig und vielschichtig. Dies lässt eine entsprechende Komplexität und Vernetztheit der sie tragenden neurobiologischen Korrelate vermuten. Als Leistungen werden diese Symptombilder nicht unabhängig voneinander erbracht, sondern sie zeigen auf der neurologischen Ebene integrative Gemeinsamkeiten. Als Symptombilder stellen sie sichtbare Momente der Gesamtdynamik einer aktiven, situierten und nicht-pathologischen Auseinandersetzung des Betroffenen und seines Organismus mit seiner Umwelt dar. Sehr viele Symptome sind dabei mit der Körperlichkeit und der Motorik des Psychotraumas assoziiert. Nach einer kurzen Symptomsichtung und -übersicht soll in einem ersten Abschnitt der Körper als ein neurobiologischer Ausgangspunkt unserer Handlungen dargestellt werden. Diese neurobiologische Darstellung findet Ihr Pendant im Bereich der Biosemiotik und dem Modell des Situationskreises: Das traumatische Durchbrechen des Situationskreises entspricht einer unterbrochenen Handlung. Vor dem Hintergrund der körperlichen Dynamik psychotraumatischer Belastungen und Reaktionen wird anschließend das sogenannte behavioral inhibiting system (BIS) erörtert. In ihm finden wir ein neuroanatomisches Korrelat, das der Zwischensphäre (der Bedeutungserteilung und der Bedeutungsverwertung) im Modell des Situationskreises entspricht. Abschließend wird eine therapeutische Interventionslinie vorgestellt, die auf verschiedenen Aspekten eines therapeutischen Mismatch basiert. Hervorgehoben werden sollen aufmerksamkeits-motivierende und dialektische Hintergründe der Myoreflextherapie.

Schlüsselwörter
Psychotrauma, Körperlichkeit, Motorik, Neurobiologie, Situationskreis, Biosemiotik, Selbstsinn, Körperselbst, behavioral inhibiting system (BIS), Zwischensphäre, Myoreflextherapie, mismatch, Dekonstruktion

Traumatic stress: The human body as a stage and a scenic force
Summary
Psychotraumatic symptoms are very diverse and multilayered in almost each individual case. This leads to an assumption of a corresponding complexity and network of the carrying neurobiological correlates. As performances, these symptoms are not delivered independent of each other, but show integrative common grounds on the neurobiological level. As Symptoms they visualize the entire dynamism of an active situated and non-pathologic discussion of the affected person and his organism with his environment. Many symptoms are thereby associated with physicality and motoricity of Psychotrauma. First, after a short sighting and an overall view of symptoms, we would like to show the body as a neurobiological starting point of our actions. This neurobiological depiction finds its counterpart in the field of biosemiotics and the model of Situationskreis: the traumatic breaking through the Situationskreis corresponds an interrupted action. After that, with the background of physical dynamics of psycho-traumatologic distress and reactions, the so called behavioural inhibiting system (bis) will be discussed. There, we find a neuroanatomic correlate, corresponding the intermediate sphere (the allowance of meaning and testing of meaning) in the model of the Situationskreis. At last, a therapeutic intervention-line basing on various aspects of therapeutic mismatch is being introduced. Attentiveness-motivating and dialectical backgrounds of the Myoreflextherapy will be highlighted.

Keywords
Psychotrauma, physicality, motoricity, neurobiology, Situationskreis, biosemiology, sense of self, body-self, behavioural inhibiting system (bis), intermediate sphere, Myoreflextherapy, mismatch, deconstruction.




Rosmarie Barwinski

Stufen der Abwehr im Integrationsprozess traumatischer Erfahrungen
Rosmarie Barwinski

Zusammenfassung
Im Beitrag wird der Frage nachgegangen, welche Abwehrmechanismen in welcher Phase des Verarbeitungsprozesses traumatischer Erfahrungen dominieren. Anhand der Untersuchungsergebnisse einer eigenen Studie (Barwinski Fäh, 2005) wird zu zeigen versucht, dass mittels der verwendeten Abwehrform Aussagen über den Grad der psychischen Integration traumatischer Erfahrungen möglich werden.
Die Form der Abwehr variiert entsprechend der Motive und Inhalte, gegen die sich die Abwehr richtet. Zum Beispiel ist zu Beginn der Traumaverarbeitung die Abwehr gegen die kognitive und emotionale Wahrnehmung der traumatischen Situation zentral, während in einer späteren Verarbeitungsphase die subjektive Bedeutung der traumatischen Situation nicht zur Kenntnis genommen werden kann. Spezifisch für den Traumaintegrationsprozess scheint weiterhin zu sein, dass Abwehrmaßnahmen auf unterschiedlichen Ebenen der Repräsentation gebraucht werden, die im Beitrag mit Hilfe von Konzepten aus der Semiotik differenziert werden.

Schlüsselwörter
Trauma; Trauma-Integration; Abwehrmechanismen; Symbolisierung; Semiotik

Defense mechanisms against the perception of psychic traumatization

Summary
This Article investigates the question as to which defensive mechanisms do dominate in which phase the process of traumatic experiences. Based on the research results of an own study (Barwinski Fäh, 2005), it attempts to demonstrate that the respective defensive forms allow reliable assessments about the degree of psychicological integration of traumatic experiences.
The form of the defense varies according to motives and contents against which the defense is directed. For example: At the beginning of the trauma processing, the defense against cognitive and emotional perceptions is crucial. In a later phase, however, it is the the personal importance of a traumatic situation which may not been perceived. Yet it appears to remain specific for the process of trauma integration that defensive measures are used at different levels of representation. This article specifies these levels by making use of semiologiocal concepts.
Keywords
trauma; trauma-integration; defense mechanisms; symbolization; semiology




Léon Wurmser

Trauma und die Absolutheit des Gewissens
Léon Wurmser

Zusammenfassung
Der Beitrag stellt die enge Verbindung von Trauma und Konflikt, deren Wiederholung im Überich und in der Destruktivität gegen das Selbst und Andere, und einige wichtige Aspekte der Therapie bei solch schwer traumatisierten Patienten dar. Dabei handelt es sich v.a. um die Folgen chronischer Beziehungstraumata in der Kindheit in Gestalt der schweren Neurosen.
Bei schwer traumatisierten Patienten spielt v.a. ein tiefes Gefühl der Scham eine führende Rolle. Die Angst vor den Gefühlen bedeutet insbesondere ein Sichschämen für deren überflutenden Charakter, für deren Zuviel angesichts des Neins der Anderen. Es ist das Kennzeichen der Traumatisierung, dass die dabei aufgewirbelten Gefühle überwältigend, d.h. global und entdifferenziert werden, dass sie nicht mehr benennbar und dass sie resomatisiert warden (“Affektregression”, Krystal). Oft wird dann zudem die Sexualisierung als archaische Abwehr eingesetzt, um Affekte zu regulieren. Beides, die Überflutung mit Affekten und die sehr urtümliche Abwehr durch Sexualisierung, führt zu einem überwältigenden Schamgefühl. Als weitere Abwehrfront werden dann aggressive Wünsche, Impulse und Fantasien als Mittel zur Wiederherstellung der Kontrolle eingesetzt; sie sollen den weiteren Absturz in jener regressiven Spirale aufhalten. Diese archaische Gleichung von traumatischen Gefühlsstürmen, Sexualisierung und Aggression ist selber wieder zutiefst beängstigend und beschämend und führt mit der Zeit zu massiven Gegenmaßnahmen durch das Überich in Gestalt von durchdringenden, verinnerlichten und globalen Schuld- und Schamgefühlen. Je schwerer die Traumatisierung, desto globaler die traumatogenen Affekte und desto schroffer die Konflikte, damit auch desto umfassender sowohl Abwehr wie Abgewehrtes, desto archaischer und grausamer das Überich, desto intensiver die masochistischen und narzisstischen Fantasien und Neigungen, und desto stärker schließlich die drei Grundzüge des neurotischen Prozesses von Zwanghaftigkeit, Absolutheit (oder Globalität) und Polarisierung.

Schlüsselwörter
Trauma; Zwang zu enttäuschen; negative therapeutische Reaktion; Scham; Wiederholungszwang



Trauma and the absoluteness of conscience
Summary
The paper presents the close links between trauma and conflict, their reflection in the superego and in the destructivity against self and others, and several important aspects of therapy with such severely traumatized patients. Above all, it deals with the sequels of chronic relational trauma in childhood in form of the seveer neuroses.
In severely traumatized patients, a deep feeling of shame plays a leading role. Fear of feelings particularly means shame about their overwhelming character, about their being “too much” in the face of the other’s “No”. It is a criterion of traumatization that the stirred up affects are overwhelming, i.e. global and dedifferentiated, that they cannot be named anymore, and that they become resomatized (“affect regression”, Krystal). Frequently added is sexualization as an archaic defense, in an attempt to regulate them. Both, affect regression and sexualization , cause intense shame. In an added defensive effort, aggressive wishes, impulses, and fantasies are deployed in an effort to reestablish control. These shouldstop the deeper fall into that regressive spiral. The archaic equation of traumatogenic affective storms, sexualization, and aggression is by itself again very frightening and embarrassing and leads more and more to massive counter measures by the superego, in the form of penetrating, internalized, and global feelings of guilt and shame. The more severe the traumata, the more overwhelming the affects. The more radical and overwhelming the affects, the more intense the conflicts. The more intense and extreme the conflicts, the more encompassing (global) the defenses and the more totalitarian the contradictory demands of “the inner judge,” that sadistic version of conscience. The trauma lives on in the severity and pitiless character of the conscience as well as in the split character of the superego (conscience, ideals, values, loyalties). The more extreme the aggression of the superego is, the more life determining are the masochistic and narcissistic fantasies and the more prominent the core phenomena of the neurotic process (compulsiveness, globality and polarization), meaning: the broader the problems of “narcissism”, of “splitting of identity”, i.e. doubleness of the self , and of compulsiveness.

Keywords
trauma; the compulsion to disappoint; negative therapeutic reaction; shame; repetition compulsion




Christiane Eichenberg und Sandra Ebert

Die Darstellung von Opfern und Tätern von Gewaltverbrechen in öffentlichen Medien
Christiane Eichenberg und Sandra Ebert

Zusammenfassung
Theoretischer Hintergrund: Bei der indirekten Konfrontation mit traumatischen Ereignissen werden nach Fischer und Riedesser (2003) psychotraumatologische Abwehrstrategien angewendet, um ein illusionäres Sicherheitsgefühl aufrechtzuerhalten und die Bedrohung des sicheren Selbst- und Weltverständnisses abzuwenden. Es ist nahe liegend zu vermuten, dass diese Abwehrstrategien auch von Journalisten verwendet werden und sich in der Berichterstattung über Gewaltverbrechen in den Printmedien nachweisen lassen. Methode: Über einen Zeitraum von einem Monat wurden aus fünf deutschen Zeitungen (Bild, Express, Süddeutsche Zeitung, die Welt, Frankfurter Allgemeine Zeitung) alle publizierten Gewaltartikel (N = 209) inhaltsanalytisch ausgewertet. Anschließend wurde experimentell untersucht, ob sich durch die Darstellungsweise eines Gewaltartikels unter Verwendung von Abwehrstrategien die Einstellung der Leser gegenüber Tätern und Opfern verändert. Dazu wurden N = 72 Untersuchungsteilnehmer zufällig drei experimentellen Bedingungen zugewiesen, die jeweils einen Zeitungsartikel, in dem das Gewaltverbrechen entweder täteridentifiziert, opferidentifiziert oder parteilich abstinent dargestellt wurde, rezipierten. Anschließend wurden die Reaktionen der Probanden hinsichtlich einer Einstellungsveränderung nach dem Lesen des Stimulusartikels untersucht. Ergebnisse: In der inhaltsanalytischen Untersuchung konnte die Anwendung von psychotraumatologischen Abwehrstrategien bestätigt werden. Ebenso konnten in der experimentellen Studie eindeutige sowie tendenzielle Veränderungen zu der zuvor erhobenen Einstellung gegenüber Tätern und Opfern von Gewaltverbrechen nachgewiesen werden. Somit wurde bestätigt, dass sich die Rezipienten in ihrem Urteil über andere aufgrund der Verwendung von Abwehrstrategien in Printmedien beeinflussen lassen. Schlussfolgerung: Aus den Befunden wird der Schluss gezogen, dass es aufgrund der negativen Konsequenzen durch die Verwendung von Abwehrstrategien wünschenswert wäre, dass Journalisten bestimmte Kriterien bei der Berichterstattung über Gewaltverbrechen berücksichtigen. Es wurden Leitlinien für die Erstellung eines optimalen Artikels entwickelt, die bei der Konstruktion eines Zeitungsbeitrags beachtet werden sollten.

Schlüsselwörter
Gewalt; Medien; psychotraumatologische Abwehrstrategien; Täteridentifikation; Opferidentifikation; parteiliche Abstinenz







Summary
Theoretical background: Psycho traumatic defence-strategies are applied according to Fischer and Riedesser (2003) in response to an indirect confrontation with a traumatic situation in order to keep an illusionary sensation of security and to defend against a threat to our the experience of the world around us. It is reasonable to assume that the postulated defence-strategies are applied by journalists and can be found in newspaper reports about acts of violence. Method: Every article about an act of violence issued in five different German newspapers (Bild, Express, Süddeutsche Zeitung, die Welt, Frankfurter Allgemeine Zeitung) during a period of one month was analysed. In a next step it was tested whether the application of defence-strategies in news reports resulted in a change of attitude of the recipient towards the perpetrator and the victim of a criminal act. N = 72 participants were randomly distributed into one of three experimental groups, and each group received just one report, which could be classified as identifying with the perpetrator, identifying with the victim or being biased abstinent. Finally, each participant was checked for a change in attitude after reading the stimulus report. Results: The analyses of the newspaper articles verified the application of defence-strategies and the experimental study identified significant and tendential changes of the attitude of the reader towards the perpetrator and the victim of a crime in comparison to the attitude verified before. It could be therefore proven that the judgment of the recipient of a newspaper-report is influenced by the application of defence-strategies. Conclusions: The results show that, it would be preferable due to the negative consequences of the application of defence-strategies that journalist follow certain criteria when writing an article about an act of violence. Eight rules for the construction of an ideal article have been presented.

Keywords
Violence; Media; Psycho traumatic defence-strategies; Identification with a criminal offender; Identification with a victim; Biased abstinent




Senta Möller und Heinrich Deserno

Beschneidung als Geschlechtertrauma Menschenrechtliche und psychoanalytische Aspekte der Genital-Beschneidung von Frauen
Senta Möller und Heinrich Deserno

Zusammenfassung
Die massenhafte psychophysische Traumatisierung von Frauen durch ein überwältigendes Beschneidungsritual führt nicht nur zur sexuellen Kontrolle, sondern auch zur Beschädigung und Zerstörung der seelischen Gesundheit und der weiblichen Entwicklungsmöglichkeiten. Zur Einführung eines regionalen Strafrechts in den betroffenen Regionen ist die informative Unterstützung des jeweiligen Staates erforderlich. Rechtliche Regelungen sollen nicht nur als Strafe, sondern auch als schützender Rahmen vermittelt werden. Dazu ist ein Dialog über den Beschneidungsritus und das Geschlechterverhältnis nötig. Das ungleiche, nicht verhandelbare Geschlechterverhältnis kann nur durch gegenseitige Anerkennung und Reflexion in ein wechselseitiges transformiert werden. Eine „kulturrelativistische“ Position, die sich mit dem Argument unzulässiger Einmischung oder erneuter Kolonisation gegen Anti-Beschneidungsprogramme wendet, entschuldigt die Täter, statt die Opfer, die beschnittenen Frauen, zu schützen.

Schlüsselwörter
Weibliche Genitalbeschneidung/-verstümmelung (FGC/FGM); Menschenrechte; Geschlechterverhältnis, ungleiches; Überwältigungstrauma; kulturelle Sozialisation

Genital cutting as gender trauma
female genital mutilation in the light of human rights and psychoanalysis

Summary
The numerous executed and overwhelming female genital cutting rite does not only control female sexuality but leads also to destruction. It injures psychological health and development. The government of every concerned country has to provide an information process for the target groups before a regional criminal law can be installed. This process should be a dialogue with discussions of the rite and the gender relation. The law should be received as protection instead of threat and penalty. The present unequal and not discussable gender relation should be transformed by recognition and reflection in a status of equality and mutual acceptance. The “cultural relativistic” position which is warning of anticutting activities as cultural interference is in our view excusing the perpetrators and does not protect the victims.

Keywords
female genital cutting /mutilation (FGM/FGC); human rights; unequal gender relation; imposing trauma; cultural socialization




Walter Renner, Maria Lind und Klaus Ottomeyer

Psychodramatische Gruppentherapie bei traumatisierten Migrantinnen – neue Ergebnisse einer Evaluationsstudie
Walter Renner, Maria Lind und Klaus Ottomeyer

Zusammenfassung
Die im Jahr 2006 in der Zeitschrift für Psychotraumatologie und psychologische Medizin publizierten Ergebnisse einer Pilotstudie zur Wirksamkeit psychodramatischer Gruppentherapie wurden auf einer breiteren Basis repliziert und ergänzt. Wir berichten über insgesamt drei Gruppentherapien mit insgesamt N = 32 Klientinnen, welche zwischen Sommer 2004 und Sommer 2007 stattfanden. Die Gruppentherapie bewirkte hochsignifikante Verbesserungen der klinischen Symptomatik auf dem „Brief Symptom Inventory“. Die Effektstärke betrug d = 1,65, was auf eine außerordentlich hohe Wirksamkeit der Intervention hinweist. Bei 83 % der Klientinnen wurden durch den Reliable Change Index signifikante Verbesserungen verzeichnet, wobei zusätzlich in etwa zwei Drittel der Fälle im klinischen Sinn ein „positives Ansprechen“ auf die Therapie, in etwa einem Drittel sogar „Genesung“ im Sinne von Wise (2004) erreicht werden konnte. Der „Veränderungsfragebogen des Erlebens und Verhaltens“ belegte bei allen befragten Klientinnen signifikante Verbesserungen der subjektiven Befindlichkeit. Die Ergebnisse belegen, dass für traumatisierte Asylwerberinnen und Flüchtlinge Gruppentherapie vermehrt als hoch wirksame und ökonomische Alternative zur Einzeltherapie in Erwägung gezogen werden sollte.

Schlüsselwörter
Gruppentherapie, Asylsuchende; Psychodrama; Trauma; Evaluation



Psychodramatic group therapy with traumatized female migrants from Chechnya – New Results of an evaluation study
Summary
The results of a pilot study published in the „Zeitschrift für Psychotraumatologie und psychologische Medizin“, referring to the effectiveness of psychodramatic group therapy were replicated and extended on a larger scale. We report about a total of three group therapies with a total of N = 32 clients which took place between summer 2004 and summer 2007. On the basis of the „Brief Symptom Inventory“, group therapy yielded a highly significant reduction of clinical symptoms. Effect size was d = 1.65, showing the exceptional efficacy of the intervention. Reliable Change Index revealed a significant reduction of symptoms in 83 % of the clients. In addition, about one third of the clients achieved „Recovery“ and two third a „Positive Response“ in the sense of Wise (2004). Accordingly, the „Veränderungsfragebogen des Erlebens und Verhaltens“ indicated significant improvement of subjective well-being in all cases. The results suggest that group therapy should increasingly be considered as a highly effective and economic alternative to single therapy for asylum seekers and refugees.

Keywords
Group Therapy; Asylum Seekers; Psychodrama; Trauma; Evaluation