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HEFT 2/2005
 
 

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Themenschwerpunkt:
Psychobiologie des Traumas

Robert Bering, Gottfried Fischer und Flemming Fryd Johansen
Abstract
Neurobiologie der Posttraumatischen Belastungsstörung im Vier-Ebenen-Modell

Andreas Schäfer, Bernd Schönebeck, Michael Kamp und Robert Bering
Abstract
Psychophysiologische Regulation des Herz-Kreislauf-Systems bei der Posttraumatischen Belastungsstörung

Kurt Mosetter und Reiner Mosetter
Abstract
Dialektische Neuromuskuläre Traumatherapie

Robert Bering, Andreas Horn und Gottfried Fischer
Abstract
Die Psychopharmakotherapie der Posttraumatischen Belastungsstörung aus prozessorientierter Sicht

Frank E. Wagner und Günter H. Seidler
Abstract
Die Wirksamkeit von EMDR im direkten Vergleich zur kognitiv-behavioralen Therapie in der Behandlung von PTSD – eine metaanalytische Betrachtung

Christian Pross
Abstract
Fingierte posttraumatische Belastungsstörung – ein Beitrag zur Debatte über „False Memory“

Diskussionsforum: Glaubhaftigkeitsprüfung

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Bering, Fischer und Johansen

Zusammenfassung
Als junge Wissenschaft überwindet die Psychotraumatologie die klassische Aufspaltung psychischer und neurobiologischer Prozesse und beschreibt sie als dynamisches Bedingungsgefüge. Vor diesem Hintergrund werden folgende neurobiologische Mechanismen diskutiert, die zur Verfestigung der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) beitragen. Hierzu gehören:
• Lateralisation der Blutzirkulation im Flash-Back. Hiermit werden Phänomene der Sprachlosigkeit in Zusammenhang gebracht, die durch eine Broca­-Supression entstehen.
• Blockade der Informationsverarbeitung, die zu einer Desynchronisation von expliziten und impliziten Gedächtnisfunktionen führt.
• Chronische Dysregulation von Hormonen und Neurotransmittern der Stressachse.
• Supression der Frontalhirnaktivität, die zu einer Fehlfunktion von kognitiver Steuerung und Integrationsfähigkeit des Psychotraumas führen soll.
Diese Befunde werden im Kontext des Vier-Ebenen-Modells zur Neurobiologie der PTBS und im Verlaufsmodell der Psychotraumatisierung entwickelt und diskutiert.

Schlüsselwörter:
Posttraumatische Belastungsstörung; zentrales Nervensystem; Katecholamine; Opiate; Kortisol

Neurobiology of Posttraumatic Stress Disorder in a Four-Level-Model

Summary
As a relatively young scientific field, psychotraumatology attempts to leave behind the classical division of the psychological/neurobiological approach and to understand psychotraumatology within the context of a dynamic conditional construct. The authors discuss the following neurobiological mechanisms which contribute to the consolidation of the clinical picture of posttraumatic stress disorder (PTSD).
• Lateralisation of blood flow during flashback. This is associated with the phenomenon of loss of speech caused by suppression of Broca’s area
• Blockage of information processing which leads to the desynchronisation of explicit and implicit memory function.

• Chronic dysregulation of hormones and neurotransmitters of the stress axis.
• Suppression of frontal lobe activity caused by psychotrauma which is assumed to lead to dysfunction of cognitive control and integrational activity.
These findings are demonstrated and discussed in terms of a four-level-model of the neurobiology of PTSD as applied to a model of the course of psychotraumatisation over time.

Keywords:
Posttraumatic stress disorder; limbic system; catecholamines; opiates, cortisol




Schäfer, Schönebeck, Kamp und Bering

Zusammenfassung
Seit Kardiner (1941) steht die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) unter Verdacht, eine Wechselwirkung zwischen psychischen und physiologischen Prozessen hervorzubringen. Um diese Beziehung zum Ausdruck zu bringen, führte er das Konzept der »Physioneurose« ein. Im Folgenden referieren wir Studien zur psychobiologischen Regulation des Herz-Kreislauf-Systems. Den Studien ist gemeinsam, dass Probanden mit einer PTBS entweder durch innere oder äußere Stimuli getriggert wurden. Die Studien gehen der Hypothese auf den Grund, ob sich Hinweise für eine spezifische Dysregulation von Blutdruck, Puls, Hautleitwiderstand und von anderen Parametern ergeben.

Es zeigen sich einheitliche Ergebnisse in Hinblick auf eine hypersensibilisierte psychophysiologische Reaktion, gemessen an Puls, Blutdruck und Hautleitwiderstand im Symptomprovokationsparadigma. Folgende Schlussfolgerungen werden gezogen:

 Die PTBS ist mit einer Hypersensibilisierung der Herz-Kreislauf-Regulation assoziiert.
 Bei der ätiologischen Abklärung hyperkinetischer Herzsyndrome muss die Psychotraumatologie berücksichtigt werden.
 A. Kardiners Konzept der »Physioneurose« sollte durch zeitgenössische psychodynamische Konzepte der Psychotraumatologie ergänzt werden.

Schlüsselwörter:
Posttraumatische Belastungsstörung; Psychophysiologie; Herz-Kreislauf-System; Symptomprovokationsparadigma

Psychophysiological Regulation of the Cardiovascular System in Posttraumatic Stress Disorder



Summary
Since Kardiner (1941), posttraumatic stress disorder (PTSD) has been suspected of causing an interaction between psychological and physiological processes. In the following article we report on studies of the psychobiological regulation of the cardiovascular system. Common to all of the studies is that the PTSD test subjects were triggered either by internal or external stimuli. The studies seek to establish whether there are grounds for accepting the hypothesis that indications of a specific dysregulation of the blood pressure, pulse, galvanic skin response (GSR), and other parameters will arise as a result.

Consistent evidence of a hypersensitive psychophysiological reaction was measured with respect to blood pressure, pulse, and GSR. The following conclusions were drawn:

 Posttraumatic stress disorder is associated with a hypersensitivity of the cardiovascular system.
 Psychotrauma must be considered as a potential explanatory factor when persuing the etiology of tachycardia.
 Kardiner’s concept of physioneurosis should be supplemented by contemporary psychodynamic concepts of psychotraumatology.

Keywords:
Posttraumatic stress disorder; psychophysiology; cardiovascular system


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Mosetter und Mosetter

Zusammenfassung
In diesem Beitrag zeigen wir die praktische Anwendbarkeit des Dialektischen Veränderungsmodells von G. Fischer (1996; 2000b) an der Myoreflextherapie.

Traumatische Erlebnisse werden als neuromuskuläre Erinnerungsspur in unser Körperschema eingebettet. Während sich ihr Aktivationsmuster unserem bewussten Zugang entzieht, kann uns die Dynamik des Körperlichen buchstäblich „auf Schritt und Tritt“ verfolgen. Psychische Traumata sind als eingefrorene neuromuskuläre Aktivationsmuster aktiv und doch nicht zugänglich. Für dieses Aktivationsmuster verwenden wir mit Fischer (2000b) den Begriff des Traumaschemas. Um die traumatische Erfahrung und ihre Repräsentanz im Traumaschema unter Kontrolle zu halten, entwickelt der Organismus ein System von Gegenmaßnahmen, das traumakompensatorische Schema: Die Repräsentationen der traumatischen Erfahrung werden abgekapselt, sequestriert. Sie schwelen gleichsam im Untergrund und sind doch nicht zugänglich. Das traumakompensatorische System „bildet im Sinne einer ‚Sequestrierung‘ einen Schutzraum um den motorischen Flügel des Traumaschemas“ (Fischer, 2000a, S. 74). Auf der körperlichen, neuromuskulären Ebene geschieht dies in Form von Fixierungen und Schonhaltungen.

In der Myoreflextherapie werden diese „Kontrolloperationen“ therapeutisch dekonstruiert, neue Schemata konstruiert und alte Schemata rekonstruiert, indem die Spannungspunkte der neuromuskulären Erinnerungsbilder mit der myoreflextherapeutischen Druckpunktstimulation übersteuert werden. Schonhaltungen und Fixierungen werden so reflektiert und bewusst gemacht. Nun „kann die Arbeit an dem eigentlichen Traumaschema unter verbesserten Bedingungen wieder aufgenommen werden“ (Fischer & Riedesser, 2003, S. 115). Die Übersteuerung der Druckpunkte wird als Dekonstruktion maladaptiver neuromuskulärer Schemata verstanden, welche die Konstruktion neuer Schemata ermöglicht und eine Überarbeitung der festgefahrenen Aktivationsmuster erlaubt (Rekonstruktion). Insofern die Begrifflichkeit des „dialektischen Veränderungsmodells“ traumatherapeutische Prozesse auf der psychischen wie der somatischen Ebene gleichermaßen erfasst, bewährt es sich nach Auffassung der Autoren als integratives und übergreifendes Konzept, das unser Verständnis heilsamer „Selbstentwicklung“ traumatisierter Patienten leiten kann.





Schlüsselwörter:
Basalganglien; klinische Anatomie; subjektive Anatomie; Psychomotorik; Trauma Komplementär Therapie; Dialektisches Veränderungsmodell; Mehrdimensionale Psychodynamische Traumatherapie

Dialectic Neuro-Muscular Trauma Therapy

Summary
In this article we will show the practical applicability of the dialectical model of changing by Fischer (1996; 2000b), taking the Myoreflextherapy as an example.

Traumatic experiences are imbedded into our body scheme as neuro-muscular memory trails. While its activation pattern withdraws from our awareness, the physical dynamics may follow us constantly. Therefore, psychic trauma are active as frozen neuro-muscular activation patterns, but are still inaccessible. To describe these facts, we use the term trauma-scheme. For keeping the traumatic experience under control, the organism develops a system of countermeasures, the trauma compensatory scheme: representations of traumatic experiences are being isolated, sequestered. Although smouldering beyond the surface, they are not accessible. The trauma compensatory system forms, in the sense of a sequestration, a protection area around the motoric flank of the trauma scheme. On the physical, neuro-muscular level, this happens by fixation and pain avoiding postures (Fischer, 2000a, p. 74). With Myoreflextherapy, these “control operations” are therapeutically de-constructed, new schemes are constructed and old schemes are re-constructed by overmodulation of the neuro-muscular memory pictures´ stress points applying myoreflex-therapeutic pressure point stimulation.

So, avoidance postures and fixations are reflected and made conscious. Now, working on the underlying trauma-scheme can be taken up again under improved conditions (Fischer & Riedesser, 2003, p. 115). The overmodulation of the pressure points can be understood as de-construction of maladaptive neuro-muscular schemes, which only then enables the construction of new schemes and a revision of stuck activation patterns (reconstruction).

In the following article, we will explain the conceptional, neuro-anatomic and neuro-physiological basics, to make clear their practical applicability.

Keywords:
Basal ganglia; clinical anatomy; emotional anatomy; psycho-motoricity; trauma complementary therapy; dialectics of change; multidimensional psychodynamic trauma therapy

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Bering, Horn und Fischer

Zusammenfassung
Welchen Stellenwert hat die Psychopharmakotherapie für die Behandlung der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS)? Wie lassen sich Psychopharmaka – bei entsprechender Indikation – optimal in die psychotherapeutische Behandlung einfügen? Mit diesen Fragen befasst sich die vorliegende Arbeit. Während die Psychopharmakotherapie der PTBS bislang eher symptomorientiert und eklektisch verfährt, plädieren die Autoren für ein Vorgehen, das ätiopathogenetisch ausgerichtet ist, den Verlaufsprozess der Störung berücksichtigt und auf ihre zentrale Bio- und Psychodynamik abgestimmt ist. Um diese Schlussfolgerung herzuleiten, wird der Leser im ersten Abschnitt mit den Grundzügen der Verlaufsdiagnostik von Belastungsstörungen vertraut gemacht. Im zweiten Schritt wird der aktuelle Forschungsstand zur psychopharmakologischen Behandlung der PTBS rekapituliert. Im dritten Schritt werden die aktuellen Erkenntnisse zur Pharmakotherapie der PTBS mit dem verlaufsorientierten Ansatz verknüpft. Folgende Schussfolgerungen werden gezogen:

 Die Psychopharmakotherapie ist als Ergänzung zur Psychotherapie zu sehen und schweren Fällen vorbehalten.
 Der Studienvergleich macht deutlich, dass selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer als Pharmakon der Wahl anzusehen sind.
 Der Verlaufstyp der PTBS ist bei der psychopharmakologischen Behandlungsstrategie zu berücksichtigen.
 Antidepressiva entfalten ein günstiges Wirkprofil, zwischen den »ego states« der Vermeidung und Übererregung zu vermitteln.

Schlüsselwörter:
Posttraumatische Belastungsstörung; Pharmakotherapie; selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer; Komorbidität; Verlaufsmodell der Posttraumatischen Belastungsstörung; Biopsychodynamik

Psychopharmacotherapy of posttraumatic stress disorder from the process-oriented viewpoint

Summary
What significance does psychopharmacology have in the treatment of posttraumatic stress disorder (PTSD)? How are pharmaceutics, under proper indications, optimally included in psychotherapeutic treatment? These are the topical questions which the present article addresses. Until now, psychopharmaceutical therapy of PTSD has been mainly symptomatic and eclectic. Here we argue for an approach that is aetiopathogenically oriented; pays attention to the course of the disorder; and is attuned to its central biopsychodynamic. This approach is based on three steps. First, basic principles of the course and psychodynamics of PTSD are explained referring to a case report. In the second step the state of the art of psychopharmacotherapy of PTSD is reviewed. Third, the psychopharmacological and psychodynamic approaches are combined in a model linking drug therapy to the course of PTSD.

The following conclusions are drawn:
 Psychopharmacotherapy does not replace but rather compliments psychotherapy, and should be reserved for severe cases.
 Comparative studies clearly indicate that selective serotonin reuptake inhibitors (SSRIs) are to be regarded as the drug of choice.
 The course of the PTSD and the profile of comorbidity must be taken into account on an individual basis when considering psychopharmacotherapy.
 Antidepressants have shown promising results in mediating between opposing ego states.

Keywords:
Posttraumatic stress disorder; selective serotonin reuptake inhibitors; comorbidity; biopsychodynamic

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Wagner und Seidler



Zusammenfassung
In dieser metaanalytischen Betrachtung werden EMDR und kognitiv-behaviorale Therapie direkt miteinander verglichen. Mittlerweile liegen hierzu sieben Originalarbeiten vor. Unsere Ergebnisse legen nahe, dass beide Therapieformen eine ähnlich hohe Wirksamkeit besitzen. Die Überlegenheit einer Behandlungsmethode ist mit der momentanen Datenlage jedoch nicht nachweisbar. Dennoch scheint es Moderatorvariablen zu geben, welche die Therapieeffektivität beeinflussen. Die geringe Anzahl der Originalstudien lässt jedoch eine nähere Untersuchung dieser Faktoren gegenwärtig nicht sinnvoll erscheinen.

Schlüsselwörter:
PTSD; EMDR; Exposition; kognitiv-behaviorale Therapie; Metaanalyse

The efficacy of EMDR in the treatment of PTSD compared to Cognitive-Behavioral Therapy – a meta analytical examination

Summary
In this meta-analytical examination we directly compared EMDR to cognitive-behavioral therapy. At present there are seven original studies concerning the subject. Our results suggest that both treatments tend to be equally effective. The superiority of one treatment over the other cannot be proved with our data. Nonetheless there seem to be moderator variables that influence the treatment efficacy. But the few number of original studies makes a closer examination of these variables rather pointless.

Keywords:
PTSD; EMDR; exposure; cognitive-behavioral therapy; meta-Analysis


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Christian Pross

Zusammenfassung
Als Antwort auf eine Polemik von Hans Stoffels über Pseudoerinnerung wird das spektakulärste Beispiel einer Pseudoerinnerung, der Fall „Wilkomirski”, analysiert. Eine Verbindung wird gezogen zwischen der Geschichte des Streits über die Unfallneurosen, das KZ-Syndrom und der gegenwärtig zu beobachtenden Trivialisierung des Traumabegriffs. Drei Fallbeispiele von fingierter PTBS aus der Praxis des Behandlungszentrums für Folteropfer demonstrieren die Fallstricke bei der Begutachtung und Behandlung von traumatisierten Flüchtlingen. Eine Orientierungshilfe bieten die von Angelika Birck zusammengestellten diagnostischen Kriterien zur Unterscheidung einer echten von einer fingierten Störung. Es folgen Vorschläge, wie sich Ärzte und Psychologen gegen die Fallstricke schützen können mittels einer „kontrollierten Identifikation“ und einer strikten Trennung der Rollen von Gutachter und Therapeut.

Schlüsselwörter:
Posttraumatische Belastungsstörung; fingierte PTBS; Pseudoerinnerung, Begutachtung und Behandlung von traumatisierten Flüchtlingen

Fictitious Post Traumatic Stress Disorder – a Contribution to the Debate on „False Memory”

Summary
In a comment on Hans Stoffels’ polemic about „false memory” the spectacular „Wilkomirski”-case is analyzed. A line is drawn between the history of the struggle over „pension neurosis” and the concentration camp survivor syndrome to the present trivialization of the term „trauma” Three case examples of fictitiours PTSD from the Center for the Treatment of Torture Survivors Berlin show the pitfalls in evaluating and treating traumatized refugees. Angelika Birck’s criteria for differentiating genuine from fictitious PTSD can serve as a guideline. Suggestions are made how doctors and psychologists can protect themselves against these pitfalls by means of a „controlled identification” and by strictly separating the roles of evaluator and therapist.

Keywords:
Posttraumatic Stress Disorder; fictitiours PTSD; False Memory; Evaluation and Treatment of traumatized Refugees


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