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SUBJEKTIVE BIOLOGIE |
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Gottfried Fischer Subjektive Biologie und Psychotherapiewissenschaft Ich denke – also funktioniert mein Gehirn. Erscheint 3. Quartal 2011, 400 S., Festeinband, € 49,- (488-8)
Subjektive Biologie untersucht organische Systeme unter dem Gesichtspunkt ihrer Umweltbeziehung und ihrer Beziehung zu sich selbst. „Organismus und Umwelt“ bilden bei diesem eigenständigen Gegenstand einer „Wissenschaft vom Leben“ jene „elementare Erkenntniseinheit“, die ohne Verlust entscheidender Sinnbezüge nicht unterschritten werden kann. „Organismus und Umwelt“ bilden zugleich die „unit of survival“. Erkenntnisziel subjektiver Biologie sind Gesetzmäßigkeiten innerhalb einer Logik, die sich aus der Beziehung von Organismus und Umwelt ergibt. Erklärungen sind wesentlich „ökologische“ Erklärungen, abgeleitet aus einem Verständnis der Wechselbestimmung von Organismus und Umwelt. Die Forschungsmethodik subjektiver Biologie ist bei Tieren und Menschen auf die Analyse ihrer „subjektiven Konstruktion der Wirklichkeit“ gerichtet, d.h. auf jene „Umwelt“, die der natürlichen Ausstattung der Lebewesen korrespondiert. Jakob v. Uexkülls Abhandlung über die „Merk- und Wirkwelt“ der Tiere (xy) kann als erster systematischer Beitrag zu einer subjektiven Biologie betrachtet werden. Diese Forschungsrichtung schloss an naturphilosophische Konzepte an, die um die Wende zum 19. Jahrhundert entwickelt wurden, etwa Schelling, Schleiermacher, Hegel. Annähernd zeitgleich mit dieser Naturphilosophie der Subjektivität, die der „europäischen Klassik“ zuzurechnen ist, entstand - ebenfalls aus der Naturphilosophie heraus - die moderne Psychotherapie als Heilung psychischer Störungen durch Gespräch und ein Verständnis für die subjektive Welt psychisch gestörter Menschen. 1811 wurde der erste Lehrstuhl für „psychische Therapie“ an Christian Moritz Heinroth vergeben. Damit war die Psychotherapie im modernen Verständnis als akademisches Fach anerkannt. Diese erste Verbindung von Psychotherapie, Naturphilosophie und subjektiver Biologie ging durch das Aufkommen der sog. „biologischen Psychiatrie“ sowie der „experimentellen Psychologie“ später verloren zugunsten einer „naturwissenschaftlichen“ Ausrichtung von Biologie, Medizin und Psychologie. Die ursprüngliche Verbindung zur Psychotherapie wieder herzustellen (vgl. etwa Ellenberger xy), ist eines der Ziele „subjektiver Biologie“ und damit des vorliegenden Lehrbuchs. Wie erfolgreich „subjektive Biologie“ - trotz ihrer vorübergehenden Vergessenheit in der Wissenschaftsgeschichte der Biologie – war und ist, zeigen etwa die Arbeiten zur vergleichenden Verhaltensforschung biologischer Arten, die ab den 50iger Jahren des vorigen Jahrhunderts systematisch entwickelt wurde (etwa Tinbergen, Lorenz, Hassenstein). Die Erklärungslinien von objektiver und subjektiver Biologie sind demnach gegenläufig. Objektive Biologie sucht die Erklärung für biologische Gesetzmäßigkeiten letztlich in der Physik. Die innerhalb einer Wissenschaft von der subjektiven Biologie befriedigenden Erklärungen gehen von der Selbstorganisation lebender Systeme und ihrer Umweltbeziehung aus. Mit dieser Zielsetzung eignet sich subjektive Biologie als zuarbeitende Grundlagenwissenschaft der Psychotherapie, einer wissenschaftlichen Disziplin, die ihrerseits „intentionale Systeme“ in intentionaler oder kommunikativer Einstellung erforscht. Da Wissenschaften heute über ihre Methode und nicht mehr über ihren Gegenstand definiert werden, driften objektive Biologie und Psychotherapiewissenschaft zwangsläufig auseinander, ebenso wie Psychotherapiewissenschaft und nomologische Psychologie, die aufgrund ihrer besonderen Methodik ebenfalls der Psychotherapiewissenschaft fremd gegenüber steht. Daher ergibt sich eine methodenbedingte Kluft dem Gegenstand von Psychotherapie und objektiver Biologie, die sich allein durch eine subjektive Wende der Biologie, das Forschungsprojekt einer subjektiven Biologie, überbrücken lässt.
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