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PATHOLOGIEN DER ERKENNTNIS |
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Gottfried Fischer, Reiner Mosetter, Kurt Mosetter, Rosmarie Barwinski Pathologien der Erkenntnis Einführung in eine Krankheitslehre der Humanwissenschaften. 2. Quart. 2012, Festeinband, ca. 180 Seiten, 29.50 Euro (574-8)
Seit sich die Humanwissenschaften, allen voran die Psychologie, von der Philosophie losgesagt haben, häufen sich dort epistemologische Irrwege und forschungslogische Absurditäten, die in der Philosophie z.T. schon längst als solche erkannt sind. Hier setzt die vorliegende Untersuchung an mit einer systematischen Analyse "pathologischer Positionen" in den Humanwissenschaften. Der altgr. Ausdruck "pathologia" hat die Doppelbedeutung von "Krankheit" und "Leidenschaft", ebenso in dieser Untersuchung: Analysiert werden "pathologische Positionen", wie etwa Empirismus, Behaviorismus oder Konstruktivismus, die einerseits selbstwidersprüchlich sind und insofern in epistemologischer Hinsicht "pathologisch", zugleich aber durch "Abwehrmechanismen" abgesichert und von daher oft mit ebensolcher Leidenschaft und Hartnäckigkeit verteidigt werden, wie defensive Positionen in einer psychotherapeutischen Behandlung. Insofern kann dieser Beitrag auch zur "angewandten Psychotherapiewissenschaft" gerechnet werden. Mit dem Vorschlag einer "International Classification of Epistemological Pathologies ICEP" wagen sich die Autoren an eine Systematisierung heran, die an die ICD der WHO erinnert, ohne allerdings "epistemologische Positionen" mit psychopathologischen Positionen einfach gleichzusetzen. Mit Sicherheit wird diese epistemologische Krankheitslehre auf Widerspruch stoßen, vielleicht sogar auf "leidenschaftlichen". Anders aber käme dieser dringend notwendige Diskurs wohl gar nicht erst zustande.
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